Ergotherapie in der Neurologie

Menschen mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems können ergotherapeutisch behandelt werden.

Das Ziel der Ergotherapie ist die Herstellung der bestmöglichen Alltagsfähigkeit des Klienten. Dabei geht es um Handlungen/Betätigungen die direkten Bezug auf das tägliche Leben des Klienten haben wie z.B. aufstehen und hinsetzen, an- und ausziehen, essen, Körperhygiene usw. Um dies zu erreichen arbeiten Klient und Therapeut partnerschaftlich zusammen, wobei die Ziele des Klienten im Vordergrund stehen. Um einen Menschen in die Lage zu versetzen, diese hohe Anforderung an Bewegung und Koordination zu bewältigen, muss die ergotherapeutische Behandlung oft in sehr detaillierten Bewegungs- und Steuerungssystemen beginnen. Für beeinträchtigte Menschen können oft einfache Handlungen zur Herausforderung werden und daher den Alltag nicht mehr ohne Hilfe managebar machen. So kann ein Mensch erst einen Teller aus einem hohen Küchenschrank holen, wenn das Gehirn die richtige Information an die richtigen Muskeln sendet. Diese Muskeln dürfen nicht von steifen Gelenken oder gegenteilig arbeitenden Muskeln gestört werden. Ebenso müssen die externen Informationen wie z.B. beim Sehen, die das Gehirn enthält adäquat verarbeitet werden. Der ganze Körper muss in einer ausgleichenden dosierten Kettenaktion Stabilität und Geschmeidigkeit herstellen, um in jeder Phase der Bewegung den Körper mit seinem Lastverhältnis gegen Einflüsse (u.a. Schwerkraft) halten und trotzdem Bewegung zulassen. Diese komplexen Abläufe, die für eine Alltagshandlung notwendig sind, werden in der Ergotherapie wieder angebahnt. Große Probleme stellen dabei häufig die falsch erlernten Bewegungsmuster dar, die es gilt abzubauen und durch „normale“ Bewegungsmuster zu ersetzen. Die Neuroplastizität sagt aus, dass ein Gehirn in der Lage ist sich an neue Anforderungen aus seiner Umwelt anzupassen. Sowohl an physiologische „richtige“ als auch an unphysiologischen „falschen“ Bewegungen und Empfindungen.

 

Was beinhaltet die ergotherapeutische Behandlung in der Neurologie?

Doch es geht nicht nur um den Bereich der Selbstversorgung. Auch das erfolgreiche Ausleben von Beruf und Freizeit stehen im Feld der ergotherapeutischen Behandlung. Des Ergotherapeuten oberstes Ziel ist es, dass der Klient wieder seinen bedeutungsvollen Betätigungen nachgehen kann.

  • Trainieren von Alltagsaktivitäten im Hinblick auf die persönliche, häusliche und berufliche Selbstständigkeit
  • Hemmung und Abbau pathologischer Haltungs- und Bewegungsmuster und Bahnung normaler Bewegungen
  • Erlernen von gezielt einzusetzenden Kompensationsstrategien bei Handlungen für eine selbstständige Alltagsbewältigung
  • Koordination, Umsetzung und Integration von Sinneswahrnehmungen
  • Verbesserung von neuropsychologischen Defiziten und Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit, Gedächtnis oder Lese-Sinn-Verständnis, das Nachvollziehen von Teilschritten einer Handlung, das Erkennen von Gegenständen oder das Erfassen von Räumen, Zeit und Personen
  • Entwicklung und Verbesserung von sozio-emotionalen Fähigkeiten u a. in den Bereichen der emotionalen Steuerung, der Affekte oder der Kommunikation
  • Beratung bzgl. geeigneter Hilfsmittel und Änderungen im häuslichen Umfeld
  • Herstellung und Anpassung von Hilfsmitteln

Bei uns im ERGOTOP wird primär nach Bobath und Perfetti behandelt. Welches ergotherapeutische Konzept für Sie jedoch geeignet ist können Sie individuell mit dem Ergotherapeuten besprechen.